Randzeiten als Chance in der Tagespflege

Noch vor drei Monaten habe ich mich gegen Randzeiten entschieden. Ich fand die Idee grausig in der eigenen Exklusivzeit für die eigene Familie die Arbeit zu integrieren.

Doch heute bin ich an einem anderem Punkt angelangt.Körperlich schaffe ich nicht mehr fünf Einjährige. Die linke Schulter schmerzt. Die Zweijährigen bis auf wenige Ausnahmen werden in die Kitas erpresst, denn für Dreijährige ist kein Platz mehr in Kitas. Es sei denn, sie waren bereits seit einem Jahr dabei.

Der einzige Punkt ist die besondere Ernährung in meiner Familienküche. Gutes Essen ist mir wichtig. Das gehört zu meinem Konzept. Das finden die Eltern gut. Doch die Bequemlichkeit und der Druck sowie Notwendigkeit der Kita wiegt mehr als eine gute Küche. Am Ende kann die Tagespflege nicht konkurrieren. Es bleiben noch einige wenige Einjährige sowie auf der Suche nach dem Kitaplatz noch seltenere, verspätete Zweijährige.

Eigentlich bin ich es leid, die Notlösung zu sein. Ich investiere mein Herzblut und meine ganze Liebe in meine Arbeit. Doch am Ende werde ich von der Kita vorzeitig abgelöst. So macht es keinen Spass mehr.Ich überlege, aufzuhören. Vielleicht etwas neues finden. Eine neue Chance, eine neue Herausforderung, ein neues Standbein. Die Gelegenheit ist Grossartig, denn alle Tageskinder gehen voraussichtlich im Sommer in die Kita. Die Kleinen und die Grossen.

Eine neue Chance für Randzeiten?

Eine neue Idee gewinnt an Gestalt, als mich eine verzweifelte Mutter fragt, ob ich nach der OGS, der Schulbetreuung ihr Kind bis Abends sowie an Samstagen betreuen könnte, damit sie wieder in ihren erlernten Beruf zurückkehren kann. Die sogenannten ungeliebten Randzeiten. Vom Jugendamt bekam sie als Antwort auf ihre Anfrage, dass die Chancen gleich null wären.

Natürlich sagte ich gleich ab, weil ich ja schon bereits im Vorfeld meine Entscheidung bezüglich Randzeiten getroffen hatte. Doch irgendwie liessen mich die Gedanken nicht los. Diese Verzweiflung einer Alleinerziehenden Mutter, die auch wieder mit ihrem Beruf ihren Lebensunterhalt bestreiten möchte. Und die fehlende Möglichkeit, es zu realisieren.

Keine Chance auf Betreuung für diese Betreuungszeiten bedeutet aber auch eine Marktlücke, da man innerhalb dieser Zeiten konkurrenzlos ist. Und konkurrenzlos zu sein bedeutet gleichfalls eine gewisse Sicherheit innerhalb der unsicheren Zeiten für Tagesmütter. Die Kinder verliert man nicht an die Kita, man holt sie dort ab.

Doch welche Tagesmutter unter welchen Lebensumständen kann sich bewusst für die Randzeiten begeistern?
Ich habe recherchiert und dabei festgestellt, dass es tatsächlich Tagespflegepersonen gibt, die in den Randzeiten eine berufliche Chance sehen. Vor allem wenn sie innerhalb der üblichen Kitabetreuungszeiten selber einer beruflichen Hauptbeschäftigung nachgehen und in der Tagespflege eine Nebenbeschäftigung sehen.

Tagespflege als Zweitjob

Ein Jeder kann sich zum eigentlichem Hauptjob aus familiären und finanziellen Gründen für einen Zweitjob entscheiden. Findet der Hauptjob eigentlich innerhalb der Betreuungszeiten der eigenen Kinder statt, so stellt die Randzeitenbetreuung  eine gute Möglichkeit dar, als Tagesmutter den Zweitjob zu bestreiten und somit die Haushaltskasse aufzubessern.

Während die Tagespflegeperson an Randzeiten mit ihrer Tätigkeit sich finanziell ein gewisses Einkommen sichert, besteht die Möglichkeit am freien Vormittag die verfügbare Zeit anderweitig zu nutzen. Sei es für eine Hauptbeschäftigung mit allen Vorteilen einer Festanstellung oder dem Aufbau eines zweiten selbständigen Standbeins. Die Möglichkeit einer Ausbildung wie zum Beispiel die schulische Erzieherausbildung oder die Investition in ein Studium sind auch nicht mehr so abwegig mit der finanziellen Sicherung. Und nicht nur Platzgründe könnten eine Tagespflegeperson zu Doppelschichten verführen. Am Vormittag die U-3 Gruppe und am Abend die Grossen.

Die Überlegung, die Randzeiten als Zweitjob zu übernehmen, scheint eine gewisse Sicherheit zu versprechen, ganz gleich welchen Aktivitäten man in der übrigen Zeit nachgehen möchte. Doch reicht die Übernahme der Randzeiten finanziell als Haupteinkommen?

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *