Der häufigste Konflikt in der Tagespflege: Krankheiten!

Kinder werden krank
Es liegt in der Natur des Kindes hin und wieder zu erkranken. Der Zeitpunkt dazu ist niemals recht. Entweder die Eltern müssen arbeiten und da passt ein krankes Kind nicht ins Konzept oder man hat seine Freizeitaktivitäten bereits geplant. Ganz gleich wann, ein krankes Kind passt einfach nicht in unser schnelllebiges Leben. Krankheiten stören einfach unser Lebenskonzept und gehören ausgemerzt zu werden, sei es mit Hilfe von Impfungen und Medikamenten.

Der Zeitpunkt ist nie gut gewählt
Aber auch Impfungen, Vorsorge, Medikamente und die Götter in Weiss schaffen es nicht unsere Kinder von Krankheiten fern zu halten. In der Regel sind die Kindererkrankungen nicht lebensbedrohlich. Oftmals werden Kinder auch noch als „relativ“ fit bezeichnet. So manche Medikamente helfen da gerne auf die Sprünge. Deshalb wird gerne übersehen, dass kranke Kinder ZEIT brauchen, um zu genesen. Vor allem dann, wenn gerade in diesem Augenblick ZEIT Mangelware ist.

Aus der Not heraus
Kommt nun zum absolut falschem Zeitpunkt eine Erkrankung, ist guter Rat teuer. Stehen die Eltern auch noch beruflich unter Druck und findet sich keine freiwillige familiäre Ersatzbetreuung, so wird sehr schnell die Erkrankung des Kindes verharmlost. So manches Kind gesundet auf wundersame Weise innerhalb kürzester Zeit, weil wichtige Termine drängen. Nicht selten wird dann ein krankes Kind in die Betreuung gebracht und vorhandene Erkrankung verschwiegen.

Tagesmutter als Mutterersatz?
Mit dem Kind zu Hause zu bleiben, obwohl Arbeitstermine warten, fällt den meisten Eltern schwer. Sie beobachten ihr Kind und verharmlosen den Schnupfen, den Husten, das Fieber, das Erbrechen. Und Durchfall hat doch jeder mal! Wenn das Kind zu Hause spielt, kann es nicht auch bei der Tagesmutter spielen? Ist der Unterschied denn tatsächlich so gross? Mit Fieberzäpfchen und anderen Medikamenten ist es doch ganz fit! Das kann die Tagesmutter doch sicher auch leisten!

Kann die Tagesmutter das leisten?
Bereits bei den Vorgesprächen hat die Tagesmutter den Eltern mitgeteilt, dass sie kranke Kinder nicht betreuen darf. Selbstverständlich konnten die Eltern es zu diesem Zeitpunkt absolut nachvollziehen. Vielleicht fragen die einen oder anderen nach der Definition der Erkrankung nach. Ob der typische, dauerhafte Winterschnupfen ein Hindernis wäre. Wiederrum andere gehen einfach davon aus, dass ihr Kind nie erkrankt. Doch die Tagesmutter trägt die Verantwortung für alle Kinder in ihrer kleinen Gruppeneinrichtung.

Die Tagesmutter trägt die Verantwortung für alle Kinder
In der Regel betreut die Tagesmutter bis zu fünf Tageskinder. Nicht selten hat sie auch noch eigene Kinder innerhalb ihres Haushaltes. Sie trägt somit auch die gesundheitliche Verantwortung für sechs Familien. Alle Beteiligten sind auf eine gesunde Betreuung angewiesen, um Ihrer beruflichen Verpflichtung nachzukommen.

Die Verlagerung der Verantwortung
Was ist schon dabei? Sooo krank ist das Kind ja nicht! Und schnell wird das Kind in die Betreuung gebracht. Im Notfall steht es der Tagesmutter frei, das Kind wieder abholen zu lassen, falls das Fieber wieder kommt. Falls es wieder erbricht. falls es Durchfall hat. Falls es den ganzen Tag weint, weil es sich einfach unwohl fühlt. Die elterliche Verantwortung für das kranke Kind wird auf die Tagesmutter übertragen. Sie soll die Entscheidung treffen, schliesslich hat sie ja diese Regel der Nichtbetreuung kranker Kinder aufgestellt. Sie kann dann entscheiden, ob es der Definition Krank entspricht.

Die Gefahr dabei?
Ist ein Kind mit einer ansteckenden Erkrankung einmal innerhalb der Gruppe, werden oftmals andere Kinder angesteckt noch bevor die Tagesmutter den Gesundheitszustand erkennt, um das erkrankte Kind nach Hause zu schicken. Bei Ansteckung der anderen Kinder, fallen auch ihre Eltern bei der Arbeit aus und müssen ihr angestecktes Kind zu Hause selber betreuen. Steckt sich die Tagesmutter oder ihre eigenen Kinder an, so fällt die Betreuung der gesamten Gruppe aus.

Unmut und Konflikt vorprogrammiert!
Natürlich bleibt der Unmut und Konflikt nicht aus. Die Eltern ärgern sich über die Ansteckung ihres Kindes. Jetzt müssen sie selber bei der Arbeit ausfallen oder eine Ersatzbetreuung organisieren. Ohne eigenes Verschulden können sie die bezahlte Tagesmutter nicht nutzen. Und wozu weiter Verantwortungsvoll handeln, wenn die anderen das nicht tun? Dann kann ich nächstes Mal auch mal ein Auge zudrücken!

Und wenn die Tagesmutter ausfällt?
Wenn die Tagesmutter an dieser Stelle verantwortungsvoll reagiert, um die Kinder nicht anzustecken und die nötige Zeit zur Genesung zu nutzen, wird oft der Unmut bei den Eltern besonders gross. Das eigene Kind ist inzwischen gesund und kann trotzdem nicht betreut werden! Und die Arbeit der Eltern wartet! Wer jetzt nicht auf die Grosseltern oder eine alternative Betreuung ausweichen kann, ist schnell verführt, sich über das Jugendamt eine Ersatzbetreuung zu suchen.

Doppelt bestraft!
Nur bezahlt nicht jede Kommune die Ersatzbetreuung und die Tagesmutter muss neben der Erkrankung noch den finanziellen Verlust hinnehmen. Natürlich ist auch die Tagesmutter über solche Verantwortungslosigkeit verärgert. Insbesondere wenn gerade die Eltern, die diese Situation verursacht haben für den finanziellen Verlust sorgen. Aus dieser Angst und Sorge heraus, arbeiten immer mehr Tagesmütter weiter trotz ihrer Erkrankung.

Der Teufelskreislauf
Fängt also einmal jemand damit an, ein krankes Kind in die Betreuung zu bringen, kann es nicht nur alle andere mit der Erkrankung anstecken. Viel schlimmer ist die Ansteckung mit verantwortungslosem Verhalten. Wenn der kann, warum denn nicht auch ich? Und wenn wir alle können, dann kann auch die Tagesmutter unter Druck gesetzt werden. Ist doch keine Arbeit, Kinder zu betreuen. Das kann sie schon mit Fieber oder Erbrechen und Unwohlsein. Und wenn nicht, dann suchen wir uns eben Ersatz und sie hat den finanziellen Verlust.

Und wenn die Eltern erkranken?
dann kurieren sie sich mit gelben Schein aus. Dann ist es doch praktisch eine Tagesmutter zu haben. Sie kann dann das Kind betreuen. Dafür wird sie bezahlt!

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2 Comments

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