Wie geht es dem kranken Tageskind in der Tagespflege?

Krankes Kind in der Tagespflege.
Ganz gleich welche Gründe die Eltern haben, ein krankes Tageskind in die Tagespflege zu bringen und ganz gleich, wie viel Verständnis die Tagesmutter für die berufliche Situation der Eltern hat, geht es doch in erster Linie um das Wohlbefinden des zu betreuenden Kindes. Wie geht es so einem Kind? Wie fühlt es sich? Wie empfindet es die Betreuungssituation? Macht es einen Unterschied, ob es bereits erfolgreich eingewöhnt ist oder sich noch in der Eingewöhnungsphase befindet?

Was die Tagesmutter in ihrer Qualifikation lernt.
Wenn ich mich an die Qualifikation zur Tagesmutter erinnere, so blieben mir ganz stark die Worte unserer Dozentin stecken, dass Kinder die ausserhäusliche Betreuung wie Erwachsene ihre Arbeit empfinden. Fern der beschützenden Eltern und der gewohnten Umgebung sich innerhalb einer Gruppe von Kindern zu behaupten und an dem von der Tagesmutter vorbereitetem Programm teilzunehmen und dabei zu lernen fordert die Kinder heraus, ähnlich der Herausforderung Erwachsener in ihrem Beruf.

Wie empfindet das Kind die Betreuungssituation?
Natürlich ist es von Kind zu Kind sowie von Erkrankung zu Erkrankung unterschiedlich. Ein richtig krankes Kind kann die Betreuungssituation völlig überfordern, auch wenn es innerhalb der häuslichen Umgebung als noch relativ „fit“ eingestuft wurde. Die Situation in der Tagespflege ist herausfordernder als die häusliche Umgebung. Auch wir Erwachsene fühlen uns bei Erkrankung zu Hause fitter und wohler, als bei der Arbeit. Wir fühlen uns müde und matt und es fehlt uns an Konzentration und Kraft.

Ruhephase ist wichtig
Um schnell und effektiv zu genesen, brauch der erkrankte menschliche Körper eine bestimmte Zeit zur Erholung und Ruhe. Bei Kindern ist es nicht anders. Auch sie benötigen eine zeitliche Phase der Genesung. Werden sie krank oder auch zu frühzeitig nach einer Erkrankung in die Betreuung gebracht, so leiden sie fürchterlich. Sie sind leider auch manchmal noch ansteckend, so dass sich die leidende Situation innerhalb der Gruppe verlängert. Ansonsten ist die Arbeit der Tagesmutter erschwert, da ein kränkliches Kind leidet und seinen Unmut kund tut. Es bedarf einer intensiveren Fürsorge, während vier andere Kinder ebenfalls der Aufmerksamkeit bedürfen.

Manche Kinder können nicht an den geplanten Aktivitäten teilnehmen
Manchmal fühlen sich die Kinder so unwohl, dass sie nicht an den geplanten Aktivitäten teilnehmen können. Nur ein wirklich fittes Kind kann sich den anderen Kindern gegenüber behaupten oder an einem Ausflug in den Wald teilnehmen, etwas neues lernen, genüsslich am Essen teilnehmen und ausgelassen toben. Ein Kind beispielsweise mit Fieber, Schmerzen am Hals/Ohr/Rachen/Bauch/Zähnen oder wo auch immer, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder einfach einer wachen Nacht ist innerhalb der Tagespflege überfordert.

Der Umgang mit Medikamenten
Bei allem Verständnis für die elterliche Situation unter dem Druck vom Arbeitgeber: Medikamente erleichtern zwar das Allgemeinwohlbefinden, aber das kranke Kind ist immer noch krank! Ein Fieberkind bleibt Fieberkind, auch wenn das Zäpfchen die Temperatur senkt! Ein Magen-Darm-Kind bleibt trotz Medikamenten Magen-Darm-Krank auch wenn es gerade nicht mehr erbricht und den Eltern wieder auf dem Kopf herum tanzt. Magenkrämpfe und Unwohlsein begleiten es immer noch, unabhängig von der Ansteckungsgefahr. Eine Mittelohrentzündung ist einfach schmerzhaft, auch wenn direkt nach der Diagnose bereits das Antibiotikum verabreicht wird. Und bei der Mandelentzündung haben trotz Antibiotikum die Kinder immer noch Schluckbeschwerden.

Offensichtlich krank!
Wenn Eltern mit Medikamenten in der Hand ihr Kind in der Tagespflege abgeben, dann ist es offensichtlich krank. So manches Mal kommt dann eine Mutter mit Fieberzäpfchen in der Hand, behauptet felsenfest, das Kind hätte kein Fieber. Diese wären nur für den Notfall, falls zufällig innerhalb des Tages die Temperatur steigen sollte. Es tauchen auch gerne Eltern mit Antibiotikum auf. Auch mit der Bitte um Schonkost, weil das Kind die ganze Nacht gebrochen hatte wegen einer angeblichen Magenverstimmung. Oft kommt auch die Information, dass das Kind müde sei, weil es die halbe Nacht nicht schlafen konnte. So was macht doch kein gesundes Kind, das fit und voller Tatkraft ist!

Nicht so ganz offensichtlich krank
Manchmal wird auch eine Erkrankung entweder verharmlost oder gar verheimlicht. Interessant ist dabei oft der Temperaturverlauf. Morgens kommt ein Kind mit glasigen Augen, was offensichtlich für Fieber steht. Wird auf Müdigkeit oder auch anderes zurückgeführt. Skeptisch kann man schon werden, wenn noch ein Zäpfchenrest in der Haufenwindel zu finden ist. Es gibt aber auch Fiebersaft. Wegen der glasigen Augen misst man dann die Temperatur. Alles im grünem Bereich. Aber so gegen Mittag steigt die Temperatur. Möglicherweise schickt man das Kind nach Hause und am nächsten Morgen stehen die Eltern wieder vor der Tür, mit der Behauptung, es wäre nix. Und wieder steigt die Temperatur gegen Mittag. Man fängt langsam an, an seinem Verstand zu zweifeln…

Aber offensichtlich Unwohlsein
Ein Kind, das die gesamte Nacht unter Zahnungsbeschwerden litt, ist zwar nicht ansteckend, ist aber durchaus für die Tagespflege ungeeignet, da völlig zermürbt. Wer von uns Erwachsenen würde denn freiwillig zur Arbeit gehen nach einer schlaflosen, schmerzhaften Nacht? Wir erinnern uns einmal, dass die Tagespflege für Kinder mit der Arbeit für Erwachsene gleichwertig ist. Würden wir freiwillig mit Fieber uns mit Medikamenten für die Arbeit fit machen? Ist es das, was wir von unseren Kindern fordern wollen? Auch krank arbeiten zu müssen? Raubbau an dem jungen menschlichem Körper zu betreiben? Ist es der kindlichen Entwicklung förderlich?

Wie verhält sich ein krankes Kind?
Je nach Erkrankung tut das Kind seinem Unmut kund. Meistens ist es sehr weinerlich. Es mag gar nicht an geplanten Aktivitäten teilnehmen. Müdigkeit und Schmerzen lassen es immer mehr weinen. Der Tagesablauf gerät ausser Kontrolle. Magen-Darm-Erkrankungen sowie Schluckbeschwerden erschweren und verhindern die Nahrungsaufnahme. Die Lautstärke ist unerträglich. Es weint und will getröstet werden.

Wie die anderen Kinder reagieren
Ein so weinerliches Kind benötigt ganz besondere Aufmerksamkeit der Tagesmutter, die dann für die anderen Kinder nicht die nötige Achtsamkeit aufbringen kann. Die anderen langweilen sich deshalb und bauen scholl mal Blödsinn. Sie leiden an abgesagten Ausflügen nach draussen. Auch erhöhter Reinigungsaufwand bei Erbrechen oder Durchfall raubt wertvolle Spielzeit. Oft leiden sie mit dem Krankem mit. Und das leidende Weinen zermürbt einfach alle. Die Kinder stehen alle unter Stress.

Krank in der Eingewöhnungsphase?
Die Eingewöhnungsphase dauert wesentlich länger, als die eigentliche Eingewöhnung. Die Eingewöhnung endet mit dem Zeitpunkt, wenn das Kind ohne grosse Probleme die gebuchte Zeit bei der Tagesmutter verbleibt. So sehen es die Eltern. Tagesmutter und Kind brauchen aber noch etwas Zeit, bis das Kind auch wirklich innerhalb der Gruppe gefestigt angekommen ist. Das kann je nach Kind 6-12 Wochen dauern. In dieser Eingewöhnungsphase steht das Kind noch ziemlich unter Stress. Innerhalb dieser Phase kann eine Erkrankung sehr problematisch für alle Beteiligten werden. Der Stress dieser noch ungewohnten Situation dient keineswegs der Genesung. Ist das Kind noch nicht innerhalb der Gruppe gefestigt, so kann die Betreuung während einer Erkrankung Schaden oder gar ein Trauma hinterlassen.

 

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