Konfliktpunkt Unpünktlichkeit in der Tagespflege

Es gibt ganze vier Grund-Typen von Menschen, was den Umgang mit Pünktlichkeit angeht. Und genau solchen vier Typen können wir auch in der Tagespflege begegnen. Denn auch Eltern sind einfach nur Menschen mit eigenen Macken und Marotten, die plötzlich zum Kind gekommen sind und ihr Leben versuchen damit zu meistern.
Hier die vier Grund-Typen und wie es sich auf die Tagespflege auswirkt:

Die unglaublich immer Pünktlichen:
Es gibt tatsächlich Menschen, die immer pünktlich sind. Kommen sie mal eine Minute zu früh, so warten sie auch noch diese Minute im Auto, um absolut pünktlich zu klingeln. Kommen sie aber auch geringfügig zu spät, so informieren sie die Tagesmutter telefonisch darüber mit einer exakten Ansage: „Wir sind etwas spät dran und kommen in 6 Minuten an.“ Solche Menschen sind meist auch sehr diszipliniert und sehr gut organisiert und durchgeplant. Alle Eventualitäten sind bereits eingeplant. Selbst zu der eigentlichen Abholzeit addieren sie bereits von sich aus grosszügig die Viertelstunde, falls unerwartet der Strassenverkehr sie aufhält. Sie informieren dann aber auch telefonisch die Tagesmutter, dass die eingeplante Viertelstunde oder ein Teil davon wegen des Verkehrs genutzt werden muss. Sollte an der Planung etwas ausnahmsweise geändert werden, so wird die Tagesmutter sofort und rechtzeitig darüber informiert.
Natürlich ist es absolut traumhaft mit solchen Eltern zu arbeiten. Man weiss immer, wo man dran ist, ist immer informiert und kann auch sein eigenes Leben danach planen.

Die sogenannten Überpünktlichen:
Das sind Menschen, die, um sich bloss nicht zu verspäten, grundsätzlich lieber etwas früher da sind. Manchmal entwickeln sie dabei eine ähnliche Disziplin, wie die immer pünktlichen und kommen mit einer konsequent regelmässigen gleichen verfrühten Zeit. Immer z.Bsp. 10min früher bringen und immer 10min früher abholen. Damit kann man eigentlich ganz gut umgehen, da sich die gesamte Betreuungszeit um ganze 10min nach vorne schiebt. Nur nichts schriftlich festhalten, weil es sich dann wieder um 10min verändern kann! Die einzige Schwierigkeit dabei ergibt sich nur, dass die Überpünktlichen meist gerne den frühstmöglichen Zeitpunkt zur Betreuung buchen. 10min vor dem eigentlichem frühstmöglichem Betreuungsbeginn führt unweigerlich zu Konflikten, denn auch Tagesmütter werden gute Gründe dafür haben, dass sie nicht früher beginnen können oder wollen. Kommt so etwas vor, sollte es auch dringend sofort angesprochen werden, dass eine Betreuung vor einer bestimmten Zeit nicht möglich ist. Lässt man es schleifen, wird es schnell zur Gewohnheit werden. An dieser Stelle ist es oft auch erforderlich, die Eltern darüber aufzuklären, dass die Betreuung in dem Augenblick beginnt, wenn die Eltern an der Tür klingeln und nicht erst, wenn die Eltern aus der Tür gehen.

Die ständig zu späten:
Es gibt Menschen, die immer auf den letzten Drücker regelmässig zu spät kommen. Ganz gleich, was sie auch immer machen, die Uhr scheint immer ihr Feind zu sein und im entscheidendem Moment viel zu schnell zu laufen. Sie schaffen es meist nicht das Kind pünktlich zu bringen. Dummerweise schaffen sie es auch nicht, bescheid zu geben, dass sie spät dran sind. Oft können sie es aber noch nicht einmal einschätzen, um wie viel sie sich verspäten. Es ist echt ärgerlich, wenn die Tagesmutter ein Programm vorbereitet hat und alle auf einen warten müssen. Da helfen nur klare Ansagen wie z.Bsp. „Wenn das Kind mit uns zusammen frühstücken soll, muss es bis 8.20Uhr hier sein. (10 min für Begrüssung und Umziehen einrechnen!) Wir frühstücken dann (von 8.30Uhr) bis 9.00Uhr und möchten dabei nicht gestört und unterbrochen werden. Sollte es die Mutter bis 8.20Uhr nicht schaffen, so hat sie die Möglichkeit es nach 9.00Uhr (das Kind sollte dann bereits zu Hause gefrühstückt haben) bis 9.30Uhr zu bringen. Danach nimmt die Tagesmutter das Kind konsequent für diesen Tag nicht mehr auf.
Meisten buchen die späten Mütter gerne bis zum spätest möglichem Zeitpunkt. Sich dann bei der Abholung auch noch zu verspäten gleicht meiner Meinung nach einem Diebstahl des Feierabends.
Da nützt es auch gar nicht zu erklären, dass man das Kind ja schliesslich zwei Stunden später gebracht hat. Es gilt die vereinbarte Abholzeit und kann nicht als Gleitzeit genutzt werden. Ganz frech wird es, wenn die geraubte Zeit anteilsmässig vergütet werden soll. Bei einer unangekündigten Verspätung von einer halben Stunde der Tagesmutter die Hälfte des stündlichem, üblichen Honorarsatzes des Jugendamtes zu bezahlen ist respektlose Beleidigung!
Hier ist Gesprächsbedarf! Besserungen sind oft nur kurzfristig. Tägliches Rätseln und Hoffen auf Pünktlichkeit geht an die Substanz und lässt keinen Freiraum zur Planung seines eigenes Lebens. Sich selber zu verspäten wegen der Unpünktlichkeit anderer führt zu Ärger und somit grossen Konflikten.
Keine Tagesmutter lässt sich ihrer Zeit berauben oder mit Almosen abspeisen.
Manchmal muss man entweder mit hohen finanziellen Strafen konsequent durchgreifen oder sich von dem Betreuungsverhältnis verabschieden!

Die Mischform von Allem
Kommst du heut nicht, kommst du morgen, und wenn morgen nicht, dann übermorgen… Frei nach diesem Motto kann man sich auf solche Eltern so rein gar nicht verlassen. Nie weiss man wirklich, wann das Kind kommt und wann es abgeholt wird. Manchmal erfährt man noch nicht einmal, ob es überhaupt kommen wird. Manchmal wird es ganz vergessen und wenn man anruft, wundert sich ein Elternteil, warum das andere Elternteil das Kind noch nicht abgeholt hat. Manchmal ruft aber auch ein verärgerter Elternteil auf Handy an, wie wir es uns erlauben konnten ohne zu warten bereits einen Ausflug anzutreten.
Leider werden solche Betreuungsverhältnisse von der Zeit her meist viel zu knapp gebucht. Regelmässige Überschreitung der Betreuungszeit führt zu grossem Ärgernis. Das Einkommen der Tagesmütter ist viel zu gering, um Zeit zu verschenken! Da lässt man sich nicht bestehlen! Fordert die Tagesmutter eine Nachzahlung, wird auch noch verärgert darüber diskutiert.
Ändert sich nichts, ausser zusätzlicher Ärger, sind solche Betreuungsverhältnisse zum Scheitern verurteilt.
Je nachdem wie das Chaos ausgeprägt ist, können nach vielen Ermahnungen und Gesprächen die dadurch entstehenden Konflikte eingedämmt werden und ein gemeinsamer Weg der Zusammenarbeit gefunden werden. Ist dies nicht der Fall, dann endet meist solch ein Betreuungsverhältnis auf unangenehme Art und Weise.

Erzähle mir, welche Erfahrungen du mit Unpünktlichkeit in der Tagespflege gemacht hast!
Erkennst du die Grund-Typen auch in deiner Arbeit? Kommt dir einiges bekannt vor?
Wie gehst du damit um? 

 

4 Comments

  1. Lauinger, Angelika

    Ja ich keine Typ 3 + 4 sehr genau.
    Bei dem Kind von Typ 4 betreue ich eigentlich nur noch zum Wohle des Kindes. Diese Mutter ärgert und linkt mich regelmäßig. Sag z.B. morgen kommt er und er kommt gar nicht, ruf dann aber auch nicht an, das er nicht kommt (da ist der Bub bei seiner Oma). Letzte Woche war er krank, erfuhr erst nach 2 Tagen das er Hand-Fuß-Mund hat. Habe mich geweigert ihn den Rest der Woche zu betreuen und festgestellt, wie gut mir das tat. Kein Warten wann er kommt, kein WARTEN wann er abgeholt wird und endlich mal mit den anderen Kindern jeden Tag einen Ausflug in den Zoo gemacht. Einfach nur die Zeit genossen, die WARTE-FREIE :). Wegen zehn oder 15 min reg ich mich schon gar nicht mehr auf, ne bei dieser Frau geht es um 1 bis 3 Stunden Wartezeit. Also Anruf er kommt heute schon um halb 11Uhr! und kommt erst um 14 Uhr, oder er wird um 18 Uhr abgeholt, irgendwann kommt ne Nachricht (so um 20 Uhr) “ komme 21 Uhr geht das?“??? was soll ich sagen? Habe schon öfter mit ihr gesprochen, leider ohne Ergebniss. Ihr Mann sagt immer nur „berede das mit ihr“ lach! Hab mir schon angewöhnt in meiner arbeitfreien Zeit das Haus zu verlassen. Mein armer AB glüht danach vor lauter „wo bist du konnte dich nicht erreichen und so“ 😀 Habe ihr vor kurzem erst wieder erklärt das auch ich ein Recht auf Feierabend habe. Sie ruft sehr viel an, wenn ihr Sohn zu hause ist, manchmal 10x am Tag. Ist der Bub bei mir, hört und sieht man nichts mehr von ihr.
    Eine Andere Mutter bringt eigentlich fast immer pünktlich. Vergisst aber immer Bescheid zu geben, wenn sie länger arbeiten muß oder das 2. Kind (hol ich normalerweise abends vom KiGa) nicht in den Kindergarten gebracht wurde. Steht dann einfach mit 2 Kinder vor der Tür und sagt ganz lieb „Hallo Omi hab es nicht geschafft.“ Was macht man da???
    Eine Mama kommt meistens zu früh beim Bringen, manchmal zu spät beim Abholen, aber meistens ist die Abholung pünktlich. Nur manchmal kommt sie auch viel zu früh (1/2 bis 1 Std) zum Abholen (so 1-2 im Monat) und ist dann stinkig weil wir noch unterwegs sind (auch nicht gut 🙁 leider).
    Die meisten Eltern kommen zu genannten Zeit plus/minus 30 min.

    • Isabella Arzt

      Liebe Angelika,
      das liest sich furchtbar!
      Da es dich offensichtlich sehr stört, solltest du dringend durchgreifen. Nur hat sich die Mutter offensichtlich bereits daran gewöhnt und wird ihr Verhalten auch nach einem Gespräch nicht ändern. Ich kann dir nur zu einer schriftlichen Abmahnung anraten mit der Androhung der fristlosen Kündigung.
      Zukünftig solltest du deine Eltern sofort bei ersten Fehlverhalten darauf ansprechen und mitteilen, dass du das zukünftig nicht dulden wirst, damit es gleich von vorne herein klar ist, dass du nicht so leichtfertig drüber hinwegschaust und Konsequenzen ziehst. Manchmal müssen wir auch Eltern erziehen.
      Achte auf deine Bedürfnisse!
      Lieben Gruss,
      Isabella Arzt

    • Isabella Arzt

      Ich bedanke mich über die Erwähnung auf einem sehr empfehlenswertem Blog einer Kollegin, den auch ich gerne lese.

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