Sklave Tagesmutter

Eine freche Behauptung? Eine Tagesmutter ist doch selbständig! Und selbständig zu sein, bedeutet doch in erster Linie selbständig zu entscheiden, wie man seinen Betrieb zu führen hat.

Ist die Tagesmutter denn wirklich selbständig?

Viele Tagesmütter beklagen, dass sie abhängig sind von den Vorgaben des Jugendamtes. Letztlich entscheiden die politischen Entscheidungsträger der Städte und Gemeinden, wie eine Tagesmutter ihren Betrieb zu führen hat. Sogar die Entlohnung für ihre Leistung wird festgesetzt. Die Höhe der Betreuungszeiten wird unabhängig vom realem Wunsch oder Bedürfnis der Eltern oder des Kindes vom Jugendamt festgelegt. Die Ausstattung der meist privaten Räumlichkeiten der Tagespflege ist ebenfalls vorgegeben.

Und warum müssen sich „Selbständige“ an diese Vorgaben und Bestimmungen halten?

Die selbständigen Tagesmütter sind abhängig von der Pflegeerlaubnis die das Jugendamt ausstellt. Es ist dazu berechtigt, diese jederzeit einer Tagesmutter zu entziehen, wenn sie sich nicht an die Vorgaben hält.
Diese Pflegeerlaubnis kann auch jederzeit auf eine geringere Anzahl von den zu betreuenden Tageskindern reduziert werden. Das kann den finanziellen Ruin für so manche Tagesmutter bedeuteten und sie zur Aufgabe zwingen. Insbesondere, seitdem die Zuzahlung zu dem Satz des Jugendamtes verboten wurde.

Das Jugendamt zwingt doch niemanden und verbietet doch nichts!

Es entscheidet doch nur über die Pflegeerlaubnis. Und entspricht jemandem die ach so grosszügige Vergütung seinem Angebot nicht, so steht es demjenigen doch frei, nicht öffentlich gefördert, Kinder zu betreuen. Das bedeutet immer noch, dass die Tagesmutter oder auch der Tagesvater Abhängig von der Pflegeerlaubnis unter den räumlichen Auflagen Kinder zur frei wählbaren Vergütung zu betreuen, jedoch erhalten diese Eltern dann keine öffentliche Förderung.
Welch ein Hohn! Welch eine Zwei-Klassen-Betreuung! Denn dieses Privileg verbleibt nur bei Eltern, die sich die Betreuung vollständig selber leisten können.

Die Tagespflege ist kein Ehrenamt oder Hobby!

Viele Tagesmütter müssen davon leben und ihre Rechnungen bezahlen. Aber leider erinnert die Entlohnung an moderne Sklaverei. Mancherorts, insbesondere im Osten Deutschlands wird gerade mal 2,-€ je Stunde und Kind bezahlt. Nach Abzug von Steuern, Krankenkasse, Rentenkasse, diverser vorgeschriebener Versicherungen sowie der üblichen Kosten, die diese Tätigkeit verursacht, verbleibt nur noch ein Bruchteil davon als Entlohnung!

Verbot der Zuzahlung vermindert die Qualität

Darf eine Tagesmutter keine Zuzahlung von den Eltern für die Betreuung mehr nehmen, sinkt das Angebot in der Tagespflege auf das Notwendige. Während früher die Tagespflege über ganz spezielle und zum Teil kostenintensive Angebote verfügte, die die Zuzahlung rechtfertigten, werden die Tagesmütter über das Zuzahlungsverbot in ihrer Qualität beeinträchtigt.

Mancherorts sogar Verbot der Zahlung für Essen.

In der Regel versorgt eine Tagesmutter ihre Tageskinder den gesamten Aufenthalt über mit Speisen und Getränken. Viele bieten ganz besondere und gesunde Ernährung, ihrer eigenen Überzeugung entsprechend in der höchsten Qualität an. Schliesslich sollen gerade die ganz kleinen Kinder nach Muttermilch mit besten Lebensmitteln ihr Leben beginnen. Das gehört zum ganzheitlichem Konzept dazu. Soll diese Leistung nun nicht mehr vergütet werden und die Tagesmutter es von ihrem Sklavenlohn selber finanzieren, so leidet entweder die Qualität der Speisen oder die Tagesmutter arbeitet ehrenamtlich.

Im Kreis Düren bringt man aber noch den grössten Klops!

Es ist nicht nur die Zuzahlung zu den genehmigten Stunden verboten, sondern gleich die Vergütung von zusätzlichen Stunden. Arbeiten somit die Eltern mehr, als das Jugendamt an Betreuungszeit genehmigt, bleibt es zwar der Tagesmutter frei zu entscheiden, ob sie zusätzliche Stunden betreut, jedoch ist es ihr strengstens verboten dafür eine Vergütung zu verlangen. Bei Verspätungen der Eltern zur Abholung kann sie noch nicht einmal diese Überschreitung der Betreuungszeit den Eltern in Rechnung stellen!

Es steht ihr noch nicht einmal frei, zu entscheiden, wie sie ihre Freizeit gestaltet!

Eine Tagesmutter im Kreis Düren darf nicht einmal entscheiden, in ihrer Freizeit abends Babysitten zu gehen. Es ist den Tagesmüttern schlichtweg verboten! Zumindest gegen ein Entgelt! Das käme dann einer Zuzahlung gleich und würde die Pflegeerlaubnis kosten!

Was ist denn eine Tagesmutter für unseren Staat?

Eine selbständige Geschäftsperson? So wird es uns verkauft!
Oder doch eher eine moderne Sklavin? So fühlt es sich mancherorts an!

Wie empfindest du deine Situation?

 

2 Comments

  1. Sehr gut geschrieben! Genauso sehe ich es auch…wir sind nur schein-selbstständig. Solange wir brav machen, was das Jugendamt von uns verlangt, ist alles gut. Stellen wir uns nur bei einer Sache quer und vertreten unsere Meinung, werden uns Steine in den Weg gelegt. :-/

  2. Isabella Arzt

    Danke Nicole,
    sehe es ebenso. Wir sind scheinselbständig. Leider wird es an manchen Orten masslos ausgenutzt. Die Entscheidungen werden aber nicht beim Jugendamt selbst getroffen. Dafür sind Stadträte und andere politisch aktive Personen verantwortlich. Leider haben diese Entscheidungsträger meist überhaupt keine Ahnung von Kindern! Deswegen wird es immer an Verständnis unserer Arbeit gegenüber fehlen. Glücklicherweise gibt es noch Orte, an denen die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt sehr gut klappt.

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