Urlaub für jeden?

Urlaub. Ja das braucht jeder mal so hin und wieder. Einfach so zu Erholung. Nur doof, dass auch die Tagesmutter so was für sich beansprucht. Ja, sicher, man gönnt es jedem. Aber ausgerechnet jetzt? Und so lange? Ganze zwei Wochen? Gibt es da keine „Urlaubsvertretung“? Kann sie nicht den einen Tag oder auch zwei mal eine Ausnahme machen? -Eine Urlaubsausnahme!

Wenn die Eltern das so mitmachen?

Als ich kürzlich erzählte, dass ich für eine Woche in den Osterferien verreise, wurde ich überrascht gefragt, ob das denn gehen würde so als Tagesmutter. Ich war über diese Frage selber überrascht und fragte diese Person, ob sie denn kein Urlaub machen würde. Doch sicherlich, stünde ihr als Angestellt arbeitende Person schliesslich zu. Nur als Tagesmutter hätte man schliesslich eine Verpflichtung den berufstätigen Eltern gegenüber. „Aber wenn die Eltern das so mitmachen?“

Haben Tagesmütter überhaupt Anspruch auf Urlaub?

Naja, nicht so wirklich und nicht überall. Zumindest nicht ohne finanziellen Verlust. Tagesmütter sind ja nicht Angestellte, sondern Selbständige. Und wie jeder Selbständige muss man von dem so hohen Gewinn Rücklagen bilden. Auch für den Ausfall, sei es wegen Krankheit oder schlechter Auftragslage oder eben Urlaub. Das muss man als Selbständiger eben bei der Kalkulation seines Gewinns immer berücksichtigen. Tagesmütter haben aber dummerweise keinen Einfluss auf die Kalkulation ihres Gewinns, da sie an die vorgegebenen Sätze der Städte gebunden sind.

In manchen Städten werden 4 Wochen Ausfallzeit deshalb auch bezahlt. In manchen Städten aber wird kein Ausfall bezahlt. Weder durch Erkrankung, noch durch Urlaub! Also: Frei nehmen und finanziellen Verlust einfach hinnehmen, oder eben Rücklagen bilden.

Und die Eltern?

Sind sie angestellt, so haben sie in der Regel Anspruch auf 6 Wochen Urlaub im Jahr. Lehrer meist mehr, sogenannte „Unterrichtsfreie Zeit“. Andere Selbständige soviel wie die Auftragslage und Rücklagen hergeben.
Und wenn die Eltern Urlaub haben und nicht gerade verreisen, dann bringen sie gerne die Kinder in die Betreuung um auch mal andere Dinge zu erledigen.

Und die Tageskinder?

Tageskinder spielen doch nur bei der Tagesmutter. Die brauchen doch kein Urlaub! Nicht, dass sie sich noch von der Betreuung entwöhnen!
Doch streng genommen ist die Leistung, die die Kinder tagtäglich in der Betreuung erbringen der Leistung einer berufstätigen Person gleichzusetzen. Neben dem frühen Aufstehen und der Auseinandersetzung mit Kollegen (die anderen Kinder) fordert der Tagesplan die Kinder heraus. Da wird gelernt, da wird geübt, da wird geforscht und untersucht und manchmal läuft es eben nach der Nase des Chefs (Tagesmutter) auch wenn es einem gar nicht passt.

Urlaub ist anders

Urlaub zu haben heisst nicht zwangsläufig wegzufahren. Urlaub ist einfach nur anders als Alltag. Urlaub ist Erholung vom Alltag! Da darf der Tagesrhythmus  mal völlig durcheinander kommen. Da darf man ausschlafen und zu ungewöhnlichen Uhrzeiten essen. Da kann man ganz neue Abenteuer erleben oder sich mal ganz furchtbar langweilen. Natürlich kann man auch verreisen und an ungewöhnlichen Orten „wohnen“, wie Hotel oder Zelt. Da begegnet man auch ganz anderen Menschen, isst ungewöhnliche Dinge und vernimmt fremdartige Sprachen. Urlaub ist einfach nur anders, anders als sonst. Und manchmal kann es passieren, dass man den Alltag anfängt zu vermissen. Ohne Urlaub wäre es einem nie eingefallen!

Urlaubsanspruch für Kinder

Urlaub gehört ganz klar zu einem Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Urlaub gehört zur Bildung! Urlaub als Wechsel zum Alltag. Urlaub als Quelle neuer Energie.
Selbst Schulkinder haben mehr als 12 Wochen Ferien im Jahr!
Wieso wollen wir dann Kleinkindern Urlaub vom Alltag verwehren? Nur weil wir „Spielen“ und dabei „Lernen“ nicht als eine Leistung ansehen? Oder weil wir unsere erwachsenen Bedürfnisse über die Bedürfnisse der Kinder stellen? Oder ganz einfach weil wir den Betreuungsplatz bezahlen und ausnahmslos diese Dienstleistung einfordern? Notfalls in der Urlaubsvertretung!
Auch die ganz kleinen Kinder brauchen diese Erholungsphase, dieses „Anders“ als Alltag!!!

Und die Tagesmutter?

Ich persönlich habe für mich entschieden, dass auch ich Urlaub von meiner betreuenden Tätigkeit als Tagesmutter diese Erholungsphase brauche. Auch meine Familie benötigt diese Erholungsphase vom Alltag. Unser Zuhause, das für eine gewisse Zeit einfach nur uns gehört und nicht geteilt werden muss. Eine Zeit, in der ich meine eigenen Bedürfnisse mal in den Vordergrund stelle. Eine Zeit, die ganz anders ist als der Alltag. Eine Zeit, in der ich den Alltag wieder vermisse und mich auf meine Arbeit wieder freuen kann.

„Wenn die Eltern das mitmachen“

Wenn die Eltern das nicht mitmachen, dann sind sie bei mir an der falschen Adresse! Über den Zeitpunkt des Urlaubes kann man mit mir sprechen, aber nicht über den mindesten Zeitraum, der für die Erholung aller Beteiligten vom Alltag notwendig ist.

Bedenkt, dass auch die Jüngsten unserer Gesellschaft ein Bedürfnis nach Erholung vom Alltag haben. Und das sollte in unseren Betreuungsgesetzen das wichtigste Fundament sein! Nur so kann eine gesunde Entwicklung erfolgen ohne Überforderung. Nur dann diskutiert niemand mehr darüber, ob Eltern das mitmachen. Und nur dann kann ich gute Arbeit leisten mit Engagement, wenn die Arbeit nicht zum Alltag wird.

 

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